Waldviertel - Wachau, Österreich

Das Waldviertel und die Wachau sind ländliche Region im Nordwesten des Bundeslandes Niederösterreich und von etwa 220.000 Einwohnern besiedelt. Landwirtschaft ist der dominierende Sektor, wobei Tourismus lokal eine Rolle spielt. Zwettl mit 11.100 Einwohnern ist die größte Stadt im Waldviertel. Die naheliegende österreichische Hauptstadt Wien bildet den Schwerpunkt für Beschäftigung und höhere Bildung, während Krems (Südwestliches Zentrum in der Region) und St. Pölten (Landeshauptstadt des Bundeslandes Niederösterreich) auch häufige Ziele der ansässigen Bevölkerung sind. Im Jahr 2008 wurden nur 13 Prozent aller Wege in Niederösterreich (werktags) mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zurückgelegt. In der Region Waldviertel - Wachau ist der Anteil des ÖPNV mit 10 Prozent sogar noch geringer.

Nur 15 Prozent der Einwohner des Waldviertels besitzen ein saisonales Ticket für ÖPNV. Die Anzahl der PKW in der Region ist höher und die Anzahl der Fahrräder geringer als in gesamt Niederösterreich (Landesregierung, 2009). Aufgrund des geringen ÖPNV-Anteils kann davon ausgegangen werden, dass ein großer Spielraum für Verbesserungen vorhanden ist.

ÖPNV in den Regionen Waldviertel und Wachau

Das ÖPNV-Netz ist charakterisiert durch ein Netzwerk aus regionalen und überregionalen Bahn- und Buslinien. Jedoch wurden viele regionale Bahnlinien aufgrund sinkender Fahrgastzahlen seit den 1990-er Jahren geschlossen. Um die Lebensqualität und die Erreichbarkeit der Region sicherzustellen, wurde im Jahr 2010 von der Niederösterreichischen Landesregierung ein System überregionaler Schnellbus-Verbindungen eingeführt, das verschiedene ländliche Unterzentren in Niederösterreich vernetzt und als „Waldviertel-Linie“ und „Wachau-Linie“ in der Region verkehren. Die Buslinien im Fokus der SmartMove Kampagne verbinden die Städte Melk (mit Zugverbindungen Richtung Linz und Wien) und Krems (mit Zugverbindungen Richtung Wien) mit den Gemeinden im Hinterland. Die Linien werden von unterschiedlichen Unternehmen betrieben, namentlich „Gschwindl“, „Zuklin“ und „Pichelbauer“, die diese Linie im Auftrag des Landes betreiben.

Smart-Move Aktivitäten

Im Zielgebiet wurde eine Kampagne durchgeführt, welche Dialogmarketing und begleitende interaktive Maßnahmen in den Gemeinden entlang der Buslinien beinhalten. Interaktive Maßnahmen waren Informationsstände bei Veranstaltungen, Testfahrscheine für die Busse für Nicht-NutzerInnen, Fokusgruppen und Gespräche mit Akteuren vor Ort sowie eine E-Fahrrad Testaktion. Für das Dialogmarketing wurden insgesamt 8992 Personen mit einem Brief kontaktiert. 3235 Personen haben entweder eine Antwortpostkarte retourniert und/oder konnten für ein Telefongespräch erreicht werden. Davon waren 956 Personen bereit, sich an der Kampagne zu beteiligen (dies entspricht ca. 11% der kontaktierten Personen).

Auf Basis von Vorgesprächen mit Akteuren vor Ort wurden geeignete Veranstaltungen ausgewählt, bei denen sich das Projekt SmartMove beteiligen sollte. Darunter fiel der Ostermarkt in Schloss Leiben, der an vier Tagen vor der Osterwoche stattfindet und die größte Veranstaltung im Zeitraum der Kampagne war. Eine weitere Veranstaltung war der Elektro-Mobilität-Testtag in Melk, wo neben dem Informationsstand auch auf die mögliche Kombination E-Fahrrad und öffentlicher Verkehr hingewiesen wurde, um die erste und letzte Meile bei Wegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln in ländlichen Regionen überbrücken zu können.

Ergebnisse

Während der Durchführung der Kampagne haben sich die Rahmenbedingungen nicht verändert, wodurch Nachfrageveränderungen hauptsächlich auf die Wirkungen der Kampagne zurückgeführt werden konnten. Insgesamt haben 11% der kontaktierten Personen an der Kampagne teilgenommen. Zusätzlich wurden 1870 weitere Personen bei den interaktiven Maßnahmen kontaktiert.

Basieren auf Interviews mit den TeilnehmerInnen an der Kampagne konnten folgende Wirkungen festgestellt werden:

  • 91% der TeilnehmerInnen fühlten sich besser informiert, weil sie neue Informationen zum Thema öffentlicher Verkehr im Rahmen der Kampagne erhalten haben.
  • 48% der TeilnehmerInnen gaben an, aufgrund der Maßnahme motiviert worden zu sein, künftig die öffentlichen Verkehrsmittel in der Region häufiger zu nutzen.
  • 22% haben bereits ihr Verkehrsverhalten geändert. Diese Personen gaben an, durchschnittlich 3 Wege pro Woche vom privaten Pkw verlagert zu haben.

Daraus ergibt sich eine jährliche Reduktion der CO2 Emissionen von ca. 105 Tonnen pro Jahr. Prinzipiell kann gesagt werden, dass die Kampagne zählbare Ergebnisse erreicht hat, die den Zielen des Projekts entsprechen.

Kontakt

Oliver Roider
Universität für Bodenkultur, Institut für Verkehrswesen (BOKU)
Tel: +43 1 476 54 856 00
E-mail: smartmove@boku.ac.at
Internet: www.boku.ac.at

Foto bereitgestellt von: Roman Klementschitz