Treibende Kräfte

Demographischer Wandel

Die Europäische Gesellschaft altert: Laut Eurostat wird der Anteil von Bürgern über 65 Jahren von 17 Prozent im Jahre 2010 auf 28 Prozent im Jahre 2040 ansteigen. Oft kann dieser Trend in dünn besiedelten Gebieten noch ausgeprägter beobachtet werden: Junge Menschen tendieren dazu, in nahegelegene Städte zu ziehen, um Arbeit zu finden, Pendelzeit zu verkürzen und am urbanen Lebensstil teilzunehmen.

In vielen Regionen, in denen Smart-Move aktiv wird, ist das Altern der Gesellschaft ein Hauptproblem. Im Kreis Euskirchen z.B. wird davon ausgegangen, dass der Anteil älterer Personen zwischen 2010 und 2030 um fast 50 Prozent steigen wird. Im Bezirk Langadas (Griechenland) machen Menschen über 65 Jahren fast 28 Prozent aus, weit mehr als in der gesamten Präfektur Thessaloniki (13 Prozent). Ein ähnlicher Trend lässt sich im Vogtland beobachten, wo das Durchschnittsalter von 41 im Jahr 1990 auf 48 im Jahr 2010 stieg. Bis zum Jahr 2025 wird ein Anstieg der Menschen älter als 65 um ein Drittel und die Halbierung der Anzahl der Menschen unter 20 erwartet.

Das Altern der Gesellschaft hat Auswirkungen auf Mobilität, die weit über das Thema Erreichbarkeit hinausgehen. Fahrpläne, Routen und Kundenservice gehören zu den wichtigen Themenfeldern, in denen Anpassungen notwendig sein werden. Da 2012 zum Europäischen Jahr des Aktiven Alterns und Solidarität zwischen Generationen ausgerufen wurde, liegt ein Forschungsschwerpunkt im Bereich der nachhaltigen Mobilität älterer Menschen (mehr erfahren Sie unter AENEAS.)

Foto bereitgestellt von: Salzburg AG

 

Der erste Kilometer

Dieser Ausdruck bezieht sich auf die Problematik, die nächstgelegene Bus- oder Bahnhaltestelle zu erreichen. Während in städtischen Gegenden Verkehrsnetzwerke mit Haltestellen in, für die meisten Einwohner, einfacher Gehdistanz unproblematisch zu errichten sind, stellt die niedrige Einwohnerdichte in ländlichen Gebieten oft ein Hindernis hierfür da. Dies setzt die Einführung von ÖPNV-Zugangssystemen (bestehend aus Taxi-Bussen, Mitfahrgelegenheiten oder Radfahrten) voraus.

In vielen ländlichen Gegenden in Europa nimmt dieses Problem an Komplexität zu. In der Region Wittenberg, in der Smart-Move aktiv ist, z.B. fiel die Bevölkerung von 147.000 im Jahr 2005 auf 139.000 im Jahr 2011. Demographische Voraussagen geben eine Bevölkerungszahl von nur 105.000 im Jahr 2025 und eine Bevölkerungsdichte von 54 Einwohnern pro km2 wieder. Im Vogtland fiel die Bevölkerungsdichte von 210 Einwohnern pro km2 im Jahr 1990 auf 173 Einwohner pro km2 im Jahr 2010.

 

Energie- und Kosteneffizienz

Motorisierte und nicht motorisierte Zugangssysteme verbrauchen nicht nur weitaus weniger Energie pro Fahrgast-km, sondern ermöglichen auch erhebliche Kostenersparnisse. Dies ist ein wichtiger Grund warum Fahrradfahren in den meisten ländlichen Gebieten in Europa mittlerweile zur wichtigsten Mobilitätsform nach der Nutzung von privat-PKW wurde.

Die Eurobarometer-Umfrage der Europäischen Kommission von 2011 zeigt auf, dass 19,1 Prozent der Ungarn das Fahrrad als Haupttransportmittel benutzen, was sie auf den zweiten Platz nach den Niederländern stellt (Quelle: Mobile 2020). Im Vergleich zu einem Verkehrsmittelanteil zwischen ein und zehn Prozent in größeren Städten ist es offensichtlich, dass das Fahrrad in kleineren Gemeinden das bevorzugte Verkehrsmittel ist. In den Niederlanden, dem europaweiten Führer im Radfahrsektor, sind Fahrräder das wichtigste Verkehrsmittel, um lokale und regionale Bahnlinien zu erreichen. Die Wirtschaftlichkeit ist sicherlich ein Hauptfaktor, warum sich viele auf nicht motorisierte Verkehrsmittel verlassen: Der Europäische Rekord wird von der Nordalbanischen Stadt Shkodra mit einem Anteil von 43 Prozent Fußgängern und 29 Prozent Radfahrern gehalten (Quelle: Eltis)

 

Gesundheit und Klimawandel

Obwohl die Einflüsse des Klimawandels zunehmend klarer werden, bleiben sie abstrakte Konzepte, die nur schwer auf eine persönliche Verhaltensänderung in Bezug auf Mobilität zu übersetzen sind. Jedoch ist oft gesund, was auch klimafreundlich ist, ob dies nun eine Fahrradfahrt oder ein Ruftaxi zur nächsten Bushaltestelle oder auch die gesamte Strecke zu Fuß zurückzulegen bedeutet.

Die nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit durch das Pendeln mit PKW werden oft unterschätzt. Laut einer Studie von Planetizen gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen der räumlichen Verteilung von hohen Konzentrationen an PKW-basiertem Pendeln und Fettleibigkeit sowie Diabetes. Untersuchungen der schwedischen Universität Umeå deuten des Weiteren einen Zusammenhang zwischen langen Pendlerstrecken und Fettleibigkeit, Halsschmerzen, Einsamkeit, Scheidung, Stress sowie Schlaflosigkeit an.

Die Organisation effektiver ÖPNV-Zugangssysteme in ländlichen Regionen und eine Vertrauensstärkung in öffentliche Verkehrsmittel anstatt privaten PKW trägt deshalb auch maßgeblich zur Abschwächung des Klimawandels und zur öffentlichen Gesundheit bei.